Ausbildungsform auswählen

Rechtsanwalt/-anwältin

Berufsbereiche: Büro, Wirtschaft, Finanzwesen und Recht
Ausbildungsform: Uni/FH/PH
* Durchschnittliches Bruttoeinstiegsgehalt. Datengrundlage sind die entsprechenden Kollektivverträge. Diese werden um Informationen aus anderen Quellen wie zum Beispiel Microzensus-Daten (Statistik Austria) ergänzt. Eine Übersicht über alle Einstiegsgehälter finden Sie unter www.gehaltskompass.at. Die Mindest-Löhne und Mindest-Gehälter sind in den Branchen-Kollektivverträgen geregelt. Die aktuellen kollektivvertraglichen Lohn- und Gehaltstafeln finden Sie in den Kollektivvertrags-Datenbanken des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Tätigkeitsmerkmale

Rechtsanwälte/Rechtsanwältinnen beraten Privatpersonen, Unternehmen und juristische Personen (z.B. Vereine, Gesellschaften) in allen Rechtsangelegenheiten und vertreten diese vor Gericht und Behörden in öffentlichen und privaten Angelegenheiten.

Im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit unterstützen sie ihre KlientInnen bei der Klärung offener Rechtsfragen. Themen sind z.B. die Abwicklung von Geschäftsfällen, Gesellschaftsgründungen oder der Abschluss von Verträgen. Sie begutachten Vertragsentwürfe und überprüfen ob diese juristisch einwandfrei sind. Privatpersonen werden von Rechtsanwälten/Rechtsanwältinnen beispielsweise auf dem Gebiet des Arbeits-, Miet-, Familien-, Konsumenten- oder Sozialrechts beraten und vertreten.

Rechtsanwälte/Rechtsanwältinnen können ihre MandantInnen in Zivilprozessen (als VertreterInnen von KlägerInnen oder Beklagten), in Verwaltungsprozessen (als VertreterInnen des Klagenden; angeklagt wird der Staat bzw. eine Behörde), in Strafprozessen (als VertreterIn des/der Angeklagten; Kläger ist der Staat) und vor Behörden (z.B. Polizei, Finanzamt) vertreten.

Rechtsanwälte/Rechtsanwältinnen sind meist auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisiert, etwa auf Verfassungs-, Zivil- oder Strafrecht (z.B.Asyl- und Fremdenrecht, Umweltrecht, Wettbewerbs-, Immaterialgüterrecht).

Rechtsanwälte/Rechtsanwältinnen unterliegen im Interesse ihrer AuftraggeberInnen der Schweigepflicht und dürfen in einem Rechtsstreit nur eine Partei vertreten.

Siehe auch die Berufe WirtschaftsprüferIn und JuristIn (Wirtschaftsrecht).

Verantwortungsbewusstsein, souveränes Auftreten und Kommunikationsstärke, strukturierte und zielorientierte Arbeitsweise, gute Allgemeinbildung, hohe Aufnahme- und Merkfähigkeit (hohe Lesekapazität), Entscheidungssicherheit, psychische Stabilität, Belastbarkeit.

Formale Voraussetzungen:

  • Österreichische Staatsbürgerschaft (Beruf gehört zum Kernbereich der staatlichen Hoheitsverwaltung)
  • Volle Handlungsfähigkeit
  • Uneingeschränkte persönliche und fachliche Eignung
  • Erforderliche sozialen Fähigkeiten für die mit der Ausübung des Amtes verbundenen Aufgaben

Der Beruf Rechtsanwalt/Rechtsanwältin kann als freier Beruf ausgeübt werden. Sie können in Rechtsanwaltskanzleien, in Buchprüfungs- und Wirtschaftsgesellschaften oder als PartnerIn einer Großkanzlei arbeiten. Üblicherweise spezialisieren sich JuristInnen auf bestimmte Rechtsbereiche. Der berufliche Einstieg erfolgt als RechtsanwaltsanwärterIn oder KonzipientIn.

Der erste Schritt in den Beruf ist das sog. “Gerichtsjahr", dieses umfasst seit der Novelle des Rechtspraktikantengesetzes-2017, aktuell 7 Monate (früher 5 Monate) - Tagesaktuelle Infos bitte bei der Wiener Rechtsanwaltskammer-RAK oder auf justitz.gv.at. einholen!

Das Vertretungsrecht von RechtsanwaltInnen erstreckt sich auf alle Gerichte und Behörden der Republik Österreich und umfasst die Befugnis zur berufsmäßigen Parteienvertretung.

AbsolventInnen des Studiums können bei entsprechender Spezialisierung alternativ im Rahmen der Steuerberatung oder in der Finanzverwaltung in einem Unternehmen (z.B. in der Rechtsabteilung oder Beschaffungsabteilung), in Banken und Versicherungen, Energie- und Telekommunikationsunternehmen und in staatlichen Dienstleistungsbereichen tätig sein.

Mit einer juristischen Ausbildung bestehen auf dem Arbeitsmarkt grundsätzlich gute Aussichten. RechtsanwältInnen sind jedoch einem starken Wettbewerb ausgesetzt. Durch Lockerungen in der Zulassung zur Rechtsberatung können verschiedene Beratungsunternehmen, insbesondere auch SteuerberaterInnen, Banken und Versicherungen verstärkt rechtsberatend tätig sind.

Der Markt verlangt nach Spezialisierung

Für AllgemeinjuristInnen ohne spezielle Qualifikation ist es tendenziell künftig kaum mehr möglich, ein qualifiziertes Angebot in den unterschiedlichen Segmenten anbieten zu können. Komplexe Materien entstehen etwa im Bereich Medizinrecht, Recht im Bereich Sportartikelherstellung oder auf den gewerblichen Feldern der Gesellschaftsgründung und der Vertragsgestaltung.

Durch die Digitalisierung eröffnen sich neue Möglichkeiten im Bereich Maschinen und Industrie 4.0. Aus juristischer Sicht stehen dabei die Themen Datenschutz, Datensicherheit sowie veränderte Vertragsbeziehungen und die damit verbundenen Probleme der Konfliktlösung im Fokus.

Technischen Daten können nämlich zu personenbezogenen Daten werden, sobald es Verknüpfungsmöglichkeiten gibt und diese Daten leicht einer natürlichen Person zugeordnet werden können. Im Zusammenhang mit Big Data und Cloud Computing wird Data Ownership ein zentraler Verhandlungspunkt sein. Normierungen und Standardisierungen bringen hier ebenso rechtliche Konsequenzen mit sich.

Diskussionswürdig ist zudem das Internet of Things im privaten Bereich und die Konvergenz zwischen der physischen und der digitalen Welt insbesondere die Nutzung von Sprachdiensten (Alexa, Siri etc). Ein weiters Beispiel ist etwa das Musikstreaming mit dem privaten Handy, welches sich automatisch mit der Mobilfunkverbindung am Arbeitsplatz verbindet.

Entwicklungen „künstlicher Intelligenz“ Hier sollen sog. Agenten bzw. digitale Stellvertreter einzelner Beteiligter, weitgehend autonom handeln. Dabei ist jedoch noch ungeklärt, ob bzw. wie diese automatisiert erzeugten Erklärungen auf Softwarebasis (z.B. smart contracts) einer natürlichen oder juristischen Person zuzurechnen sind.

Sprachkenntnisse (z.B. als UnternehmensjuristIn im internationalen Umfeld) und Auslandserfahrung sind für die Karriere ebenso wichtig.

Stellenangebote im "eJob-Room" (Internet-Stellenvermittlung des AMS):

Der folgende Link führt zum Abfrage-Formular des eJob-Room für das Berufsbündel "Rechtsanwalt/-anwältin", dem der Beruf "Rechtsanwalt/-anwältin" zugeordnet ist. Im Formular können Sie dann noch das Bundesland und den Arbeitsort und andere Kriterien auswählen; nach einem Klick auf "Weiter" erhalten Sie die Stellenangebote.

offene Job-Angebote

Das Berufsbild des Rechtsanwaltes ist in der Rechtsanwaltsordnung (RAO) gesetzlich geregelt. Wer als Rechtsanwalt tätig sein will, muss eine mehrstufige Ausbildung in Theorie und Praxis absolvieren.

Grundvoraussetzung ist ein erfolgreich abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften sowie eine fünfjährige praktische Berufsausbildung. Im Rahmen dieser Ausbildung muss eine mehrmonatige Gerichtspraxis und mindestens drei Jahre in der Kanzlei eines Rechtsanwaltes/einer Rechtsanwältin als BerufsanwärterIn verbracht werden.

Diplom- oder Masterstudium:

  • Rechtswissenschaften (Fakultäten in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck)
  • Wirtschaftsrecht (WU Wien) - dieses Studium befugt ebenso zum unbe­schränkten Zugang zu einem juris­ti­schen Kern­be­ruf

 

Die Rechtsanwaltsprüfung kann nach Abschluss des Studiums (§ 3 RAO) und der praktischen Verwendung abgelegt werden. Siehe Rechtsvorschrift für Rechtsanwaltsprüfungsgesetz (Stand: 2018). Tagesaktuelle Infos bitte bei der Wiener Rechtsanwaltskammer oder auf justitz.gv.at einholen!

Die Broschüre Rechtsberufe in Überblick kann in ihrer jährlich aktualisierten Form kostenlos als PDF auf der Website des Bundesministeriums für Justiz abgerufen werden.

Die bloße Absolvierung eines Bachelorstudiums eröffnet nicht den Zugang zu einem juristischen Kernberuf!

Ergebnisse aus dem Ausbildungskompass:

Für JuristInnen gibt es eine Reihe von Fort- und Weiterbildungsangeboten in Form von postgradualen Ausbildungen bzw. Universitätslehrgängen (z.B. Europarecht, Internationales Steuerrecht, Wirtschaftsrecht, Medizinrecht, Computer- und IT-Recht, Patentrecht). Über aktuelle Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten informiert die Anwaltsakademie - AWAK.

Beispiele für Masterstudien zur weiteren Spezialisierung Uni: Z.B. Recht und Wirtschaft für TechnikerInnen, Master of Legal Studies im Medizinrecht, Professional Master of Laws im Medizinrecht, Integriertes Diplomstudium der Rechtswissenschaften (zweisprachig).

MedUni Wien: Forensische Wissenschaften (Master of Forensic Science). Zielgruppe: JuristInnen, ExekutivbeamtInnen bzw. PolizistInnen, AnwärterInnen für allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige in Gesundheitsberufen.

Managementfunktionen können etwa im Bereich Wirtschaftskriminalität, Compliance Management, Internetrecht und Cybercrime angestrebt werden. Dienstleistungsangebote zur außergerichtlichen Konfliktregelung können im Rahmen der Mediation ausgeübt werden. Für die Mediation in Zivilrechtssachen ist der Zugang zur Tätigkeit im Bundesgesetz über Mediation in Zivilrechtssachen (ZivMediatG) gesetzlich geregelt.

Für JuristInnen ergeben sich gute Chancen durch Spezialisierungen (z.B. internationales bzw. EU-Recht, Umweltrecht, Rechtsinformatik) und Zusatzqualifikationen (exzellente Fremdsprachenkenntnisse, z.B. für internationales Vertragsrecht).

Ein Wechsel zwischen den Berufen RichterIn, NotarIn, Anwalt/Anwältin oder in einem Wirschaftstreuhandberuf ist zwar grundsätzlich möglich, erfordert aber zum Teil Zusatzprüfungen und gegebenenfalls ergänzende Praktika (Anrechnungsmöglichkeiten sind in den jeweiligen Bestimmungen über die Berufsausübung festgelegt).

Broschüren/Folder mit Informationen zum Beruf:

Rechtswissenschaften (Broschüre)
Reihe: Jobchancen Studium
Fundstelle: Rechtsanwältinnen bzw. Rechtsanwälte
Diese Berufe könnten Sie auch interessieren ...
Weitere Berufe aus dem Bereich "Büro, Wirtschaft, Finanzwesen und Recht" anzeigen