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KanzleiassistentIn - Schwerpunkt Notariatskanzlei

Berufsbereiche: Büro, Wirtschaft, Finanzwesen und Recht
Ausbildungsform: Lehre
Infos zur Lehrlingsentschädigung (Lehrlingseinkommen)
Lehrzeit: 3 Jahre. Einstiegsgehalt lt. KV: € 1.500,- bis € 1.650,- * Arbeitsmarkttrend: gleichbleibend
* Die Gehaltsangaben entsprechen den Bruttogehältern bzw Bruttolöhnen beim Berufseinstieg. Achtung: meist beziehen sich die Angaben jedoch auf ein Berufsbündel und nicht nur auf den einen gesuchten Beruf. Datengrundlage sind die entsprechenden Mindestgehälter in den Kollektivverträgen (Stand: Juli 2018). Eine Übersicht über alle Einstiegsgehälter finden Sie unter www.gehaltskompass.at. Die Mindest-Löhne und Mindest-Gehälter sind in den Branchen-Kollektivverträgen geregelt. Die aktuellen kollektivvertraglichen Lohn- und Gehaltstafeln finden Sie in den Kollektivvertrags-Datenbanken des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Hinweis

Der Lehrberuf "KanzleiassistentIn" mit den beiden Schwerpunkten "Notariatskanzlei" und "Rechtsanwaltskanzlei" kann ab 1. Mai 2020 erlernt werden. Er ersetzt den Lehrberuf "RechtskanzleiassistentIn", bei dem keine Schwerpunkte vorgesehen waren. Lehrlinge, die am 30. April 2020 im Lehrberuf "RechtskanzleiassistentIn (ohne Schwerpunkte)" ausgebildet wurden, können die Lehre nach den bisherigen Regelungen (Ausbildungsordnung, Prüfungsordnung) abschließen. Sie können aber auch bei voller Lehrzeitanrechnung auf den neuen Lehrberuf (KanzleiassistentIn mit Schwerpunkten) umsteigen (erforderlich ist dafür eine entsprechende Vereinbarung zwischen Lehrbetrieb und Lehrling).

Tätigkeitsmerkmale

Der Begriff "Kanzlei" bzw. "Rechtskanzlei" bezeichnet das Büro von RechtsanwältInnen und NotarInnen. Rechtsanwälte sind Juristen, die ihre KlientInnen (Privatpersonen, Unternehmen, Vereine usw.) in Rechtsangelegenheiten beraten und vertreten (z.B. bei gerichtlichen Prozessen). Sie sind dabei in nahezu allen Rechtsbereichen tätig (z.T. auch auf einen bestimmten Bereich spezialisiert), vor allem Strafrecht, Wirtschaftsrecht, Mietrecht, Arbeitsrecht, Familien- und Scheidungsrecht. Notare sind staatlich bestellte Juristen, die bei bestimmten Rechtsgeschäften mitwirken. Zu ihren Aufgaben gehören etwa die Mitwirkung bei der Ausarbeitung und beim Abschluss von Verträgen, die Beglaubigung und Beurkundung von Rechtsgeschäften (z.B. Verträge, Testamente), die Bestätigung der Echtheit von Dokumenten und Ähnliches mehr. Da die Büro- und Verwaltungsarbeiten in einer Rechtskanzlei zahlreiche Spezialkenntnisse im Anwalts- oder Notariatswesen erfordern und daher die übliche Büroausbildung hier nicht ausreicht, wurde der Lehrberuf "KanzleiassistentIn" eingerichtet. Die Teilung in die Schwerpunkte "Notariatskanzlei" und "Rechtsanwaltskanzlei" berücksichtigt zusätzliche die erheblichen Unterschiede in den Anforderungen dieser beiden Rechtsbereichen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Aufgabenbereiche der KanzleiassistentInnen mit Schwerpunkt "Notariatskanzlei" genauer beschrieben.
Die Aufgabenbereiche sind:

Gemeinsame Aufgabenbereiche beider Schwerpunkte:

  • Office-Management
  • Marketing
  • Betriebliches Rechnungswesen
  • Kanzleiassistenz

Aufgabenbereiche im Schwerpunkt "NOTARIATSKANZLEI":

  • Rechtliche Grundlagen
  • Klientenbetreuung
  • Abrechnungen

 

Office-Management:

Der Aufgabenbereich "Office-Management" (also "Büro-Organisation") umfasst alle Aufgaben zur Gewährleistung eines funktionierenden Kanzleibetriebs. Die zentrale Aufgabe dabei ist die betriebliche Kommunikation. Wenn Anfragen telefonisch oder per E-Mail hereinkommen, nehmen die KanzleiassistentInnen die Daten auf (Name, Adresse, Telefonnummer, Anliegen), suchen fallweise den Akt heraus, auf den sich die Anfrage bezieht, und leiten alles an die zuständigen BearbeiterInnen weiter. Fallweise geben sie auch selbst Auskunft oder holen erforderliche Informationen von den KlientInnen ein. Sie erledigen die schriftlichen Arbeiten und den Schriftverkehr (Briefe, E-Mails usw.), schreiben Brief- und Protokolltexte nach Diktat oder Tonaufnahme, gestalten die Schriftstücke gemäß den Gestaltungsvorgaben der Kanzlei und führen die Rechtschreib- und Grammatiküberprüfung durch.
Eine weitere wichtige Aufgabe im Office-Management ist die Organisation von Besprechungen und Meetings. Die KanzleiassistentInnen reservieren die Räumlichkeiten und bereiten diese vor, indem sie erforderliche Geräte bereitstellen (Overhead-Projektor für Präsentationen, Flip-Chart) und für die Bewirtung der Gäste sorgen. Sie bereiten die benötigten Unterlagen vor, indem sie Bildschirmpräsentationen gestalten und die Handouts (schriftliche Unterlagen) erstellen und in der erforderlichen Anzahl kopieren. Sie schreiben die Einladungen und verschicken diese. Am Beginn der Besprechungen/Meetings empfangen und betreuen sie die Gäste (z.B. Bewirtung mit Getränken). Nach den Sitzungen führen sie die Nachbereitung durch, indem sie z.B. die Protokolle und die Zusammenfassung der Ergebnisse schreiben.
Wenn KanzleiassistentInnen die Organisation von Dienstreisen durchführen müssen, recherchieren sie zunächst die Verkehrsmittel und Routen; dann vergleichen sie die Angebote für Unterkünfte und Verkehrsmittel und führen die Buchungen durch.
Beschaffung von Büromaterial und Inventur: Die KanzleiassistentInnen sorgen dafür, dass die Bürogeräte und Anlagen (PC/Laptop, Drucker, Kopierer) der Kanzlei alle funktionieren, wobei sie einfache Probleme oft selbst lösen, z.B. durch Beheben eines Papierstaus im Drucker oder durch Austauschen leerer Tonerpatronen. Sie ermitteln laufend den Bedarf an Büromaterial, holen Anbote ein, vergleichen die Preise und Konditionen und führen die Warenbestellungen durch.
Eine weitere Aufgabe im Office-Management ist die Kassaführung. Dabei erfassen die KanzleiassistentInnen die Zahlungseingänge und -ausgänge, führen den Kassa-Abschluss durch und überprüfen regelmäßig den Kassastand.

 

Marketing:

Unter "Marketing" versteht man alle Maßnahmen eines Unternehmens, die eigenen Angebote so zu gestalten und darzustellen, dass sie von den KundInnen wahrgenommen und nachgefragt werden. Wichtige Teilbereiche des Marketings sind z.B. Werbung und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. in den Medien). KanzleiassistentInnen sind an der Gestaltung von Info- und Werbematerialien beteiligt, indem sie z.B. Newsletter, Direct-Mailings, Presseaussendungen, Social-Media-Beiträge und Ähnliches erstellen und gestalten (teilweise auch mit speziellen Computer-Grafikprogrammen). Und sie arbeiten auch an Veranstaltungen mit, bei denen sich das Unternehmen der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Betriebliches Rechnungswesen:

Das Rechnungswesen dient der genauen Dokumentation aller finanziellen Angelegenheiten eines Betriebes. KanzleiassistentInnen prüfen alle Belege (Rechnungen, Zahlungsbelege) auf Richtigkeit und Vollständigkeit. Sie ordnen die Belege nach Datum, Herkunft und Belegart und bereiten sie für die Verbuchung vor. Sie prüfen die Rechnungen auf rechnerische und sachliche Richtigkeit und führen die Zahlungen per Zahlschein oder Online-Überweisung durch. Die Überprüfung der Zahlungseingänge und -ausgänge erfolgt durch regelmäßige Kontrolle der Kontoauszüge. Und schließlich gehört zum Rechnungswesen auch die Aufbereitung der Finanz-Daten, die Ermittlung von Kennzahlen und die Erstellung von Statistiken (z.B. Leistungsstatistik der Mitarbeiter, Klientenstatistik), die der Betriebsführung als Grundlagenmaterial für die betriebswirtschaftlichen Entscheidungen dienen.

 

Kanzleiassistenz:

Dieser zentrale Aufgabenbereich der KanzleiassistentInnen erfordert gute Kenntnisse der grundlegenden Bestimmungen der rechtlichen Grundlagen des Rechtskanzleidienstes. Dazu gehören vor allem das Verfahrensrecht (z.B. Zuständigkeiten, Instanzenzug, Rechtsmittelarten, Fristen), das Allgemeinen Bürgerliche Recht (z.B. Vertrag, Verjährung, Schuldrechts-, Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit), das Grundbuchrecht, das Firmenbuchrecht, das Unternehmensrecht und das Abgabenrecht. Genauso wichtig ist weiters die Kenntnis und Einhaltung der Standesrechtlichen Compliance-Pflichten (der Begriff "Compliance" bedeutet die genaue Einhaltung von Regeln oder Gesetzen; eine Compliance-Pflicht in Rechtskanzleien ist z.B. die Verschwiegenheitspflicht). Es geht aber auch um die Compliance-Pflichten der KlientInnen zahlreicher Rechtskanzleien, etwa Firmen, die Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verhindern müssen (Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften usw.). In diesem Zusammenhang wirken KanzleiassistentInnen auch an den regelmäßig notwendigen KlientInnen-Checks zur Verhinderung von Geldwäscherei mit.

Aktenführung sowie Post- und Terminverwaltung: KanzleiassistentInnen empfangen die Postsendungen (Briefe, E-Mails), ordnen sie den Akten zu, prüfen, ob alle Fristen eingehalten wurden und leiten die Post an die zuständigen BearbeiterInnen weiter. Sie bearbeiten den Postausgang, frankieren die Postsendungen und leiten sie an die Zustelldienste weiter. Im Zuge der Terminverwaltung vereinbaren sie Termine und überwachen deren Einhaltung.

Informationsbeschaffung und -verwaltung: Rechtskanzleien benötigen für ihre Tätigkeit laufend eine Menge von Informationen. KanzleiassistentInnen wirken an der Beschaffung dieser Informationen mit, indem sie z.B. Unterlagen von Gerichten und Behörden beschaffen (z.B. Aktenabschriften) oder Abfragen in elektronischen öffentlichen Registern durchführen, z.B. Grundbuch (Verzeichnis aller Immobilien und ihrer Eigentümer), Firmenbuch (Register aller Unternehmen), GISA (Gewerbeinformationssystem Austria), WiEReG (Register der wirtschaftlichen Eigentümer), ZMR (Zentrales Melderegister), Testamentsregister oder ÖZVV (Österreichisches Zentrales Vertretungsverzeichnis - Verzeichnis der Erwachsenenvertretung für Personen mit psychischen Krankheit). Weiters führen sie die Akten (auch elektronisch), indem sie alle Dokumente am richtigen Ort ablegen und für die Archivierung und Aufbewahrung der Akten sorgen.

 

Schwerpunkt "NOTARIATSKANZLEI":

KanzleiassistentInnen mit dem Schwerpunkt "Notariatskanzlei" sind in Notariaten tätig. Notariate befassen sich unter anderem mit der rechtlichen Abwicklung/Begleitung folgender Angelegenheiten: Testamente, Verlassenschaftsverfahren (Erbrecht), Schenkungen und Übergaben, Kauf und Verkauf von Immobilien, Unternehmensgründungen, Mediationen (freiwilliges Verfahren zur Beilegung eines Konfliktes), Schlichtungen (außergerichtliche Beilegung eines Rechtsstreites) oder Patientenverfügungen. Daraus ergeben sich auch die speziellen Aufgabenbereiche der KanzleiassistentInnen mit Schwerpunkt "Notariatskanzlei": Rechtliche Grundlagen, Klientenbetreuung sowie Abrechnungen.

Rechtliche Grundlagen: KanzleiassistentInnen (Notariatskanzlei) müssen die grundlegenden Bestimmungen folgender Rechtsbereiche anwenden können: Berufsrecht (Notariatsordnung), Erbrecht und Verlassenschaftsverfahren, Erwachsenenschutzrecht (regelt die Erwachsenenvertretung für Personen mit psychischen Krankheit), Mietrecht, Liegenschaftsrecht (regelt das Eigentum an Immobilien), Gesellschaftsrecht (regelt die Angelegenheiten von Wirtschaftsgesellschaften, z.B. Aktiengesellschaften), Gebührenrecht (regelt die Gebühren von Schriften, Amtshandlungen und Rechtsgeschäften).

In der Klientenbetreuung sind KanzleiassistentInnen (Notariatskanzlei) vor allem mit der Vorbereitung aller Arten von Unterlagen befasst, die grundlegend für die notarielle Arbeit sind: Klientenvereinbarungen (z.B. Vollmachten, Auftragsvereinbarungen), Unterlagen für Gerichte, Behörden, KlientInnen, andere Parteien und deren ParteienvertreterInnen, Schriftverkehr mit Gerichten und Behörden, Schriftsätze und Verträge (z.B. Liegenschaftskaufverträge), Beglaubigungsurkunden, Anträge für das Firmen- und Grundbuch, Marken- und Musteranmeldungen usw. KanzleiassistentInnen (Notariatskanzlei) wirken bei Außerstreitverfahren mit, z.B. Verlassenschaftsverfahren, Unterhaltsverfahren, einvernehmlichen Scheidungen, Adoptionen usw., wobei sie z.B. die erforderlichen Informationen bei Behörden, Gerichten, Bankinstituten oder Hausverwaltungen einholen. Und auch die Vorbereitung diverser Berechnungen gehört zu ihren Aufgaben, z.B. Abgabenerklärungen für die Grunderwerbsteuer, Immobilienertragssteuer (ImmoESt), Eintragungsgebühren und Rechtsgeschäftsgebühren.

KanzleiassistentInnen (Notariatskanzlei) erstellen die Abrechnungen für die KlientInnen. Diese Abrechnungen werden auf der gesetzlichen Grundlage des Notariatstarifgesetzes (NTG), des Rechtsanwaltstarifgesetzes (RATG) und des Gerichtskommissionstarifgesetzes (GKTG) durchgeführt. KanzleiassistentInnen (Notariatskanzlei) bereiten die Kostenverzeichnisse und Leistungsaufstellungen sowie die Honorarnoten (Rechnung) vor und übermitteln diese an die KlientInnen. Sie überwachen die Zahlungsein- und -ausgänge und vermerken diese in den Akten. Falls es zu einem Zahlungsverzug kommt, schicken sie eine Mahnung aus.

Der Begriff "Kanzlei" bzw. "Rechtskanzlei" bezeichnet das Büro von RechtsanwältInnen und NotarInnen. Rechtsanwälte sind Juristen, die ihre KlientInnen (Privatpersonen, Unternehmen, Vereine usw.) in Rechtsangelegenheiten beraten und vertreten (z.B. bei gerichtlichen Prozessen). Sie sind dabei in nahezu allen Rechtsbereichen tätig (z.T. auch auf einen bestimmten Bereich spezialisiert), vor allem Strafrecht, Wirtschaftsrecht, Mietrecht, Arbeitsrecht, Familien- und Scheidungsrecht. Notare sind staatlich bestellte Juristen, die bei bestimmten Rechtsgeschäften mitwirken. Zu ihren Aufgaben gehören etwa die Mitwirkung bei der Ausarbeitung und beim Abschluss von Verträgen, die Beglaubigung und Beurkundung von Rechtsgeschäften (z.B. Verträge, Testamente), die Bestätigung der Echtheit von Dokumenten und Ähnliches mehr. Da die Büro- und Verwaltungsarbeiten in einer Rechtskanzlei zahlreiche Spezialkenntnisse im Anwalts- oder Notariatswesen erfordern und daher die übliche Büroausbildung hier nicht ausreicht, wurde der Lehrberuf "KanzleiassistentIn" eingerichtet. Die Teilung in die Schwerpunkte "Notariatskanzlei" und "Rechtsanwaltskanzlei" berücksichtigt zusätzliche die erheblichen Unterschiede in den Anforderungen dieser beiden Rechtsbereichen.

Im Folgenden werden die wichtigsten Aufgabenbereiche der KanzleiassistentInnen mit Schwerpunkt "Notariatskanzlei" genauer beschrieben.
Die Aufgabenbereiche sind:

Gemeinsame Aufgabenbereiche beider Schwerpunkte:

  • Office-Management
  • Marketing
  • Betriebliches Rechnungswesen
  • Kanzleiassistenz

Aufgabenbereiche im Schwerpunkt "NOTARIATSKANZLEI":

  • Rechtliche Grundlagen
  • Klientenbetreuung
  • Abrechnungen

 

Office-Management:

Der Aufgabenbereich "Office-Management" (also "Büro-Organisation") umfasst alle Aufgaben zur Gewährleistung eines funktionierenden Kanzleibetriebs. Die zentrale Aufgabe dabei ist die betriebliche Kommunikation. Wenn Anfragen telefonisch oder per E-Mail hereinkommen, nehmen die KanzleiassistentInnen die Daten auf (Name, Adresse, Telefonnummer, Anlieg…

  • Fingerfertigkeit: Arbeiten am Computer (Maschinschreiben, Eingeben von Daten); Bedienen von Bürogeräten über Touchscreen (z.B. Kopierer);
  • mathematisch-rechnerische Fähigkeit: betriebliches Rechnungswesen (Erstellen von Honorarnoten bzw. Rechnungen, Kontrollieren der Kontoauszüge, Aufbereiten der Finanz-Daten, Ermitteln von Kennzahlen, Erstellen von Statistiken); Zahlungsverkehr; Vorbereiten/Erstellen fachlicher Berechnungen (Grunderwerbsteuer, Immobilienertragssteuer, Eintragungsgebühren, Rechtsgeschäftsgebühren usw.)
  • Organisationstalent: Büroorganisation; Materialverwaltung; Terminvereinbarung mit KlientInnen; Organisieren von Sitzungen und Dienstreisen
  • Kontaktfähigkeit: Informieren und Beraten der KlientInnen; Erteilen von Auskünften; Kontakt zu Gerichten, Behörden, MandantInnen usw.
  • Fähigkeit zur Zusammenarbeit: Arbeiten im Team mit Notariats-Leitung und Sekretariat; Zusammenarbeiten mit KlientInnen, Behörden und Gerichten;
  • Sprachfertigkeit mündlich: Informieren und Beraten der KlientInnen; Erteilen von Auskünften; Kommunikation mit Gerichten, Behörden, KlientInnen usw.
  • Sprachfertigkeit schriftlich: fachgerechtes Formulieren von Geschäftsbriefen, Protokollen, Dokumenten, Marketing-Texten usw.
  • logisch-analytisches Denken: Führen der Akten (richtiges Zuordnen aller Unterlagen); Beschaffen und Verwalten von Informationen (Beschaffen von Unterlagen von Gerichten und Behörden, Durchführen von Abfragen in elektronischen öffentlichen Registern); betriebliches Rechnungswesen; fachgerechtes Informieren und Beraten der KlientInnen;
  • Merkfähigkeit: Merken zahlreicher Fakten und Daten, z.B. Namen und Daten von KlientInnen; Beachten zahlreicher rechtlicher Bestimmungen aus sehr unterschiedlichen Rechtsbereichen;
  • generelle Lernfähigkeit: regelmäßiges Aneignen von Kenntnissen über neue Entwicklungen, z.B. gesetzliche Änderungen, Bürogeräte und -materialien, EDV-Programme, KlientInnen-Anliegen usw.

Betriebe/Lehrbetriebe: KanzleiassistentInnen (Notariatskanzlei) arbeiten im Sekretariat von Notariaten. Notariatskanzleien gibt es gleichmäßig verteilt in ganz Österreich, weil die Einrichtung der Amtsstellen gesetzlich geregelt ist, um eine flächendeckende, gleichmäßige Rechtsbetreuung zu gewährleisten. Diese "Systemisierung der Amtsstellen" (das ist die genaue Festlegung der Lage und Anzahl der Amtsstellen im Bundesgebiet) erfolgt durch Verordnung des Justizministeriums. In Österreich gibt es derzeit mehr als 500 Notariatskanzleien ("Amtsstellen"). Viele davon befinden sich in Ballungszentren bzw. in den großen Städten; hier sind daher auch die meisten Lehrstellen zu finden.

Lehrstellensituation: Da die neue Form des Lehrberufs erst ab Mai 2020 besteht, kann hinsichtlich der Lehrstellenentwicklung derzeit noch keine Aussage getroffen werden, zumindest was die Verteilung der Lehrlinge auf die beiden Schwerpunkte "Notariatskanzlei" und "Rechtsanwaltskanzlei" betrifft. Die Zahl der Lehrlinge im Vorläufer-Lehrberuf "RechtskanzleiassistentIn (ohne Schwerpunkte)" ist in den letzten 10 Jahren stark zurückgegangen und lag zuletzt (2019) bei rund 120 Lehrlingen. Es ist anzunehmen, dass auch für die neue Version des Lehrberufs künftig Lehrstellen in dieser Größenordnung zur Verfügung stehen werden, wenn auch aufgeteilt auf die beiden Schwerpunkte.

Unterschiede nach Geschlecht: Im Vorläufer-Lehrberuf "RechtskanzleiassistentIn (ohne Schwerpunkte)" lag der Frauenanteil über viele Jahre hinweg bei rund 90 Prozent, der Anteil der Burschen bei rund 10 Prozent. Es ist anzunehmen, dass dies auch für die neue Form des Lehrberufs zutreffen wird.

Berufsaussichten: Die Berufsaussichten für KanzleiassistentInnen (Notariat) sind stabil. Außerdem ist auch eine Beschäftigung in anderen Wirtschaftszweigen möglich, da die Lehre eine fundierte allgemeine kaufmännische Büroausbildung bietet.

Beschäftigungsaussichten: Es ist anzunehmen, dass in der Regel nach Abschluss der Lehre auch eine Übernahme in ein Angestelltenverhältnis erfolgen wird, weil die Lehrlinge während der Lehre genau auf die Erfordernisse des Lehrbetriebs hin ausgebildet werden. Ansonsten ist es relativ schwierig, eine Stelle in einem Notariat zu bekommen, weil es sich bei den rund 500 Notariaten in Österreich meist um Kleinbetriebe mit nur wenigen Beschäftigten handelt. Teilweise werden auch BewerberInnen mit HAK-Abschluss bzw. mit Reifeprüfung bevorzugt. Personen mit Lehrabschluss als KanzleiassistentIn bringen aber schon von der Ausbildung her viel Praxiserfahrung mit und haben daher gegenüber SchulabsolventInnen gewisse Vorteile.

Stellenangebote im "eJob-Room" (Internet-Stellenvermittlung des AMS):

Der folgende Link führt zum Abfrage-Formular des eJob-Room für das Berufsbündel "RechtskanzleiassistentIn", dem der Beruf "KanzleiassistentIn - Schwerpunkt Notariatskanzlei" zugeordnet ist. Im Formular können Sie dann noch das Bundesland und den Arbeitsort und andere Kriterien auswählen; nach einem Klick auf "Weiter" erhalten Sie die Stellenangebote.

offene Job-Angebote

offene Lehrstellen

Ergebnisse aus dem Ausbildungskompass:

Kollektivvertragliche Mindest-Sätze (Brutto *), alle Beträge in Euro
* Brutto = Wert VOR Abzug der Abgaben (Versicherungen, Steuern)

KanzleiassistentIn - Schwerpunkt Notariatskanzlei
Kollektivvertrag (Brutto-Einkommen) gültig ab
Notariate BURGENLAND, NIEDERÖSTERREICH und WIEN (Angestellte)
gültig ab 01.01.2018
01.01.2018
Notariate KÄRNTEN: Der Kollektivvertrag enthält KEINE Lehrlingsentschädigung! Diese muss daher zwischen Lehrbetrieb und Lehrling frei vereinbart werden! (Angestellte)
Notariate OBERÖSTERREICH (Angestellte)
gültig ab 01.03.2019
01.03.2019
Notariate SALZBURG (Angestellte)
gültig ab 01.01.2017
01.01.2017
Notariate STEIERMARK (Angestellte)
gültig ab 01.01.2019
01.01.2019
Notariate TIROL, VORARLBERG (Angestellte)
gültig ab 01.01.2017
01.01.2017
KanzleiassistentIn - Schwerpunkt Notariatskanzlei (inkl. Doppellehren)
Da dieser Lehrberuf erst seit 1. Mai 2020 erlernt werden kann und daher noch keine Lehrlingszahlen verfügbar sind, werden hier vorläufig die Lehrlingszahlen des Vorgänger-Lehrberufs "RechtskanzleiassistentIn" angeführt!
Anz./Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
männlich 17 15 18 19 18 17 12 9 12 14
weiblich 215 211 185 161 149 141 127 113 112 108
gesamt 232 226 203 180 167 158 139 122 124 122
Frauenanteil 92,7% 93,4% 91,1% 89,4% 89,2% 89,2% 91,4% 92,6% 90,3% 88,5%
Quelle: WKÖ - Wirtschaftskammer Österreich
KanzleiassistentIn - Schwerpunkt Notariatskanzlei
Verwandte Lehrberufe LAP-Ersatz *
Archiv-, Bibliotheks- und InformationsassistentIn nein
AssistentIn in der Sicherheitsverwaltung nein
Bankkaufmann/-frau nein
BetriebsdienstleisterIn nein
Betriebslogistikkaufmann/-frau nein
Buch- und MedienwirtschafterIn - Buch- und Musikalienhandel nein
Buch- und MedienwirtschafterIn - Buch- und Pressegroßhandel nein
Buch- und MedienwirtschafterIn - Verlag nein
Bürokaufmann/-frau ja <
DrogistIn nein
E-Commerce-Kaufmann/-frau nein
EinkäuferIn nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Allgemeiner Einzelhandel nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Baustoffhandel nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Einrichtungsberatung nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Eisen- und Hartwaren nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Elektro-Elektronikberatung nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Feinkostfachverkauf nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Gartencenter nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Kraftfahrzeuge und Ersatzteile nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Lebensmittelhandel nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Parfümerie nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Schuhe nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Sportartikel nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Telekommunikation nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Textilhandel nein
Einzelhandelskaufmann/-frau - Schwerpunkt Uhren- und Juwelenberatung nein
Eventkaufmann/-frau nein
Finanz- und RechnungswesenassistentIn nein
Finanzdienstleistungskaufmann/-frau nein
Großhandelskaufmann/-frau nein
Hotel- und GastgewerbeassistentIn nein
Hotel- und Restaurantfachmann/-frau nein
Hotelkaufmann/-frau nein
Immobilienkaufmann/-frau - Schwerpunkt Bauträger nein
Immobilienkaufmann/-frau - Schwerpunkt Makler nein
Immobilienkaufmann/-frau - Schwerpunkt Verwalter nein
Industriekaufmann/-frau nein
Medizinproduktekaufmann/-frau nein
Mobilitätsservicekaufmann/-frau nein
Personaldienstleistungskaufmann/-frau nein
Pharmazeutisch-kaufmännisch(er/e) AssistentIn nein
ReisebüroassistentIn nein
Speditionskaufmann/-frau nein
SpeditionslogistikerIn nein
SportadministratorIn nein
SteuerassistentIn nein
Versicherungskaufmann/-frau nein
VerwaltungsassistentIn nein
* LAP-Ersatz = Lehrabschlussprüfungs-Ersatz
< Die LAP im beschriebenen Lehrberuf ersetzt die LAP des verwandten Lehrberufs.

Folgende berufsbildende Schulen bieten teilweise eine ähnliche Ausbildung wie der Lehrberuf:

Normalformen (für 14-Jährige):

 

Sonderformen (für Erwachsene), die auch als Weiterbildung für LehrabsolventInnen geeignet sind:

Weiterbildungskurse für viele Tätigkeitsbereiche der KanzleiassistentInnen werden vor allem vom Berufsförderungsinstitut (BFI) und vom Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) angeboten. In Frage kommen vor allem kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kurse, Kurse über neue gesetzliche Bestimmungen oder spezielle EDV-Kurse (z.B. neue Rechtsdatenbanken, neue Bürosoftware usw.).

Weiterführende Bildungsmöglichkeiten zur Erreichung höherer Bildungsabschlüsse bzw. zur Höherqualifizierung für AbsolventInnen dieses Lehrberufs:

Aufstiegsmöglichkeiten:

Die Aufstiegsmöglichkeiten der KanzleiassistentInnen sind sehr begrenzt, da es sich bei den Notariats- und Rechtsanwaltskanzleien in der Regel um Kleinbetriebe mit nur wenigen Beschäftigten handelt, so dass hier auch kaum Aufstiegspositionen vorhanden sind. In größeren Kanzleien können KanzleiassistentInnen zu ChefsekretärInnen oder Bürovorständen aufsteigen.

Selbstständige Berufsausübung:

Die Möglichkeit einer selbstständigen Berufsausübung (als GewerbeinhaberIn, PächterIn oder GeschäftsführerIn) besteht für KanzleiassistentInnen im freien Gewerbe "Büroservice (Zurverfügungstellung bürotechnischer Einrichtungen und die Durchführung von Büroarbeiten, eingeschränkt auf Schreibarbeiten, die Adressierung, Kuvertierung, Paketierung von Poststücken, die Durchführung von Botengängen sowie die Entgegennahme und Weitergabe von telefonischen oder im Wege anderer Kommunikationsmittel eingelangten Nachrichten)" und im Handelsgewerbe. Ein freies Gewerbe erfordert keinen Befähigungsnachweis, sondern lediglich eine Anmeldung bei der Gewerbebehörde.

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